Nationales Gesundheitsportal, Stellungnahme März 2020

Das DNGK hat am 5.3. 2020 die folgende Stellungnahme zum geplanten Nationalen Gesundheitsportal  vorgelegt.

Gute Gesundheitsinformationen verfügbar machen!

Eine Stellungnahme des Deutschen Netzwerks Gesundheitskompetenz e.V. zum Nationalen Gesundheitsportal (Zusammenfassung)

Mitte dieses Jahres soll das Nationale Gesundheitsportal in Trägerschaft des Bundesministeriums für Gesundheit freigeschaltet werden, wie die Parlamentarische Staatssekretärin im BMG, Sabine Weiss, Anfang Februar 2020 im Rahmen einer Fachtagung erklärte. Diese Ankündigung nimmt das DNGK zum Anlass seiner aktuellen Stellungnahme und stellt dazu folgendes fest:

Das DNGK begrüßt und unterstützt die Entwicklung eines Nationalen Gesundheitsportals.

Die Chance eines Nationalen Gesundheitsportals liegt darin, die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit bereits vorhandener hochwertiger und vertrauenswürdiger Informationsangebote zu Gesundheit und Krankheit zu erhöhen, indem es diese zusammengeführt und unter einer gemeinsamen Adresse abrufbar macht. Vertrauenswürdig sind Gesundheitsinformationen, wenn sie objektiv, neutral und ausschließlich nutzerorientiert sind. Dafür ist die transparente Beschreibung der hochwertigen systematischen Methoden und Prozesse unabdingbar, wie sie in Deutschland mit den breit konsentierten Qualitätsstandards der „Gute Praxis Gesundheitsinformation“ (GPGI) des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin DNEbM“ definiert sind. Zu deren Einhaltung haben sich wichtige Anbieter von Gesundheitsinformationen verpflichtet und diese Verpflichtung in publizierten Methodenpapieren dokumentiert.

Voraussetzung für Vertrauenswürdigkeit: Transparenz und obligatorische Qualitätsdarlegung

Daher fordert das DNGK die obligatorische Darlegung folgender Angaben zu Hintergrund, Zielen und Inhalten der Gesundheitsinformationen im NGP:

    1. Verantwortlichkeit (Verfasser und Herausgeber) und Darlegung von Interessen
    2. Ziele, Zweck und Geltungsbereich der Gesundheitsinformation
    3. Erwartete Vor- und Nachteile sowie Wahlmöglichkeiten bei gesundheitsbezogenen oder medizinischen Maßnahmen (Welche Alternativen gibt es? Welche Folgen können Abwarten und Verzicht haben?)
    4. Berücksichtigung von Alters- und Geschlechtsunterschieden
    5. Angemessene Inhaltsdarstellung (Unterscheidung Fakten/ Empfehlungen; Ausschluss tendenziöser / beunruhigender / verharmlosender Formulierungen)
    6. Entwicklungsmethodik und Quellenangaben
    7. Veröffentlichungsdatum und Datum der geplanten Aktualisierung.

Die erste Aufgabe des Portals: Alle vertrauenswürdigen Informationen zusammenführen

Das Deutsche Netzwerk Gesundheitskompetenz begrüßt die Entwicklung eines Nationalen Gesundheitsportals, wenn es die Pluralität von evidenzbasierten Informationen garantiert indem es alle vertrauenswürdigen Informationen im Sinne der GPGI zur Verfügung stellt.

In diesem Zusammenhang hat das DNGK im Februar 2020 mit seiner E-Bibliothek ein neues Online-Angebot geschaffen, das aktuell mehr als 900 deutschsprachige Gesundheitsinformationen umfasst (https://ww1.dngk.de/bibliothek/ und zwar ausschließlich solche, die die Qualitätskriterien der GPGI berücksichtigen. Diese Informationen haben es schwer, sich im bestehenden, an Privatinteressen orientierten, größtenteils kommerzialisierten Informationsmarkt durchzusetzen. Mit der E-Bibliothek möchte das DNGK im Hinblick auf das NGP eine Orientierung bei der Auswahl vertrauenswürdiger Gesundheitsinformationen vermitteln.

Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier

 

Autoren: Vorstand des DNGK – am 3. März 2020 einstimmig beschlossen als Stellungnahme gegenüber dem Bundesministerium für Gesundheit.

 

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Autor: DNGK-Redaktionsteam
Letzte Überarbeitung: 28.05.2021

Webseminar Impfkommunikation Februar 2021

DNGK-WebSeminar

COVID-19—Impfung: Wie kommunizieren?

15. Februar 2021

Am 15. Februar 2021 fand von 16:00 – 17:30 Uhr das zweite Webseminar des DNGK statt: Thema „COVID-19—Impfung: Wie kommunizieren?“.

Die Veranstaltung richtete sich an Angehörige medizinischer Berufsgruppen, Gesundheitswissenschaftler*innen, politische Entscheidungsträger*innen und in Medien- und Kommunikationsbereichen Tätige.

Zielsetzung

Die Impfungen gegen COVID-19 haben begonnen. Die Entscheidung der Bevölkerung für oder gegen eine Impfung hängt stark von der Gesundheitskompetenz des Einzelnen ab. Die Art und Weise, in der wir Nutzen und Risiken der Corona Impfung kommunizieren, ist ausschlaggebend dafür, dass Bürgerinnen und Bürger für sich selbst eine auch im Sinne des Schutzes der Bevölkerung verantwortliche Entscheidung fällen können. Der Workshop ging der Frage nach, welche Elemente eine verlässliche Impfkommunikation ausmachen und welche Formate hilfreich sind.

Impulsreferate

Gemeinsam mit Vertreter*innen folgender Berufsgruppen wurden diese Frage diskutiert:

Seminarbericht von Sylvia Sänger und Christian Weymayr

Knapp 60 Teilnehmer*innen erlebten eine dichte und spannende Veranstaltung mit fünf Referent*nnen, die das Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten.

Den Anfang machte der Hausarzt Dr. Wolfgang Blank, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin in Kirchberg im Wald. Seine Botschaft „Am besten ist es, wenn man auf die Frage: „Herr Dr., sind Sie geimpft?“ mit Ja antworten kann!“ Blank geht mit den zwei Gruppen von Patient*innen, die Impfwilligen und die Impfunwilligen, unterschiedlich um. Die Impfwillige haben, so Blank, einen weitaus geringeren Infobedarf als gemeinhin angenommen. Sie haben höchstens Sorge wegen der kurzen Entwicklungszeit des Impfstoffes und wegen möglicher Langzeitfolgen des Impfens. Auch den Impfgegnern begegnet er mit Wertschätzung. Er bietet ihnen Informationen an, fragt nach ihrer Beunruhigung, und baut keinen sozialen Druck auf. Wer nicht will, den darf man nicht drängen, so Blank. Der Arzt solle sich immer fragen: Wo und wie kann ich meine Patienten stärken?

Dr. Svenja Ludwig, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Niederkassel, hat andere Erfahrungen als Blank gemacht. Sie sieht ein sehr großes Informationsbedürfnis ihrer Patient*innen. Es kämen viele Fragen zu den Tests, etwa: Welche sind geeignet, wie lange ist das Ergebnis gültig, wer muss wann in Quarantäne, sind die Testergebnisse verlässlich? Sie stößt dann an ihre Grenzen, wenn sie beispielsweise zu Komorbiditäten sowie Interaktionen von Medikamenten und Impfung beraten soll. Gängige Fragen zu den Impfstoffen drehen sich um deren Wirkung, die Unterschiede und die Wahl der Impfstoffe, die Wechselwirkungen mit der Grippeschutzimpfung, um die Impfzentren, und natürlich zu den Nebenwirkungen und Komplikationen der Impfung. Ludwigs Fazit: Sie muss häufig Gerüchte entkräften, und hat einen hohen Aufwand mit Nachlernen und Vorlernen. „Ich arbeite jeden Abend die mediale Landschaft ab, um am nächsten Tag auf alle Fragen antworten zu können.“

Die Sicht eines Beratungsprofis deckte Dr. Johannes Schenkel ab. Er ist Ärztlicher Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland UPD. Eine seiner Beobachtungen: „Die Anfragen bei der ersten und zweiten Welle waren und sind unterschiedlich.“ Im Jahr 2020 drehten sich über 52.000 von 173.000 Anfragen um die Corona Pandemie, das ist ein Drittel des gesamten Beratungsaufkommens. In der ersten Welle wurde mehrheitlich nach Symptomen der Erkrankung gefragt. Jetzt in der zweiten Welle macht Schenkel vier Hauptberatungsthemen zur COVID-Impfung aus:

    • Probleme bei der Impfterminvergabe
    • Der Wunsch, früher geimpft zu werden
    • Impfeignung trotz Komorbiditäten
    • Details zur Impfung selbst.

Auch die Sicht der Medien war im Webseminar vertreten. Eine der einflussreichsten Publikumsmedien zum Thema Gesundheit ist die Apotheken Umschau. Ihr Chefredakteur Dr. Dennis Ballwieser: „Seit die Politik intensiver über Impfstoffe redet, gibt es detailliertere Fragen“. Die Apotheken Umschau-Gruppe, bestehend aus den gedruckten Heften, dem Online-Auftritt sowie diversen sozialen Kanälen, befasst sich seit etwa drei Monaten mit dem Thema COVID-Impfung, allerdings auf ganz unterschiedliche Weise: Während Impfen vor Corona vor allem ein Thema für „Baby und Familie“ war, hat sich der Fokus unter Corona ganz hin zur „Apotheken Umschau“ verschoben. Dort wird allerdings das gedruckte Magazin so gut wie nicht bespielt, da der lange Produktionsvorlauf die nötige Aktualität unmöglich macht. Dafür berichten die digitalen Kanäle umso mehr. So bietet die Apotheken Umschau neben den Online-Beiträgen auf apotheken-umschau.de einen täglichen Videoblock sowie zweimal pro Woche einen Podcast. Eine interessante Beobachtung Ballwiesers: Bei jüngeren Nutzer*innen sind deutlich mehr Basisinformationen gefragt, zum Beispiel: Was unterscheidet Impfungen von Medikamenten, wie wirken Impfungen im Körper? Um all die Informationsbedürfnisse aktuell und fundiert zu befriedigen, ist viel Quellenarbeit nötig. Ballwieser: „Wir recherchieren uns einen Wolf“.

Den Part der Wissenschaft übernahm Dr. phil. Philipp Schmid, Psychologe an der Professur für Sozial-, Wirtschafts- und Organisationspsychologie, Universität Erfurt. Sein Appell für den Umgang mit queren Denkern: „Falsch Informierte sind schwer zu überzeugen. Korrigieren Sie trotzdem so oft und so gut, wie sie nur können.“ Die ärztliche Kommunikation mit Impfgegnern ist eine besondere Herausforderung. Denn es besteht die Gefahr, dass man beim Versuch, einen Mythos oder den Glauben an Falschinformation zu widerlegen, selbige nur noch verstärkt. Es braucht dafür eine besondere Form der Gesprächsstruktur, damit statt der Fakenews die Fakten hängen bleiben. Hier hilft es beispielsweise, die Sandwich-Regel zu beherzigen: Ob und unten die Fakten und dazwischen die Fakenews. Wie schon Allgemeinmediziner Blank sieht auch Schmid die Wertschätzung des Gegenübers als sehr wichtig an. Man sollte Patient*innen mit ihren Ängsten ernst nehmen, anstatt sie mit Fakten zu überrennen. Es hilft, sich in die Welt des Gegenübers zu begeben und dessen Weltsicht zu würdigen, ehe die korrekten Fakten bemüht werden.

Weitere Infos

Hausärzte vertrauen dem RKI – Ergebnisse der DNGK-Umfrage “Impfkommunikation COVID-19”

In Vorbereitung des Seminars wurde eine Online-Umfrage zur Impfkommunikation durch die Ärzteschaft durchgeführt, an der sich 1.135 Ärztinnen und Ärzte beteiligten, überwiegend aus dem Fach Allgemeinmedizin und mit eigener Praxis.

Aus den Umfrage-Ergebnissen lassen sich folgende Kernaussagen ableiten:

    1. Gut vorbereitet: Zwei Drittel der Ärztinnen und Ärzte fühlen sich für das Patienten-Gespräch gut vorbereitet, nur wenige sehr schlecht.
    2. Robert Koch Institut (RKI) spielt zentrale Rolle: Das RKI ist mit Abstand die wichtigste Quelle für Ärztinnen und Ärzte – und zwar sowohl für sie selbst, als auch für ihre Patienten-Gespräche. Dabei werden eher andere Einrichtungen in der Verantwortung gesehen, für Aufklärung zu sorgen: das Bundesgesundheitsministerium, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Kassenärztlichen Vereinigungen.
    3. Papier toppt Online: Die Informationen für ihre Patientinnen und Patienten sollten vor allem in Papierform sein. Niemanden außen vor zu lassen, ist Ärztinnen und Ärzte dabei offenbar ein wichtiges Anliegen: Auch Angebote in einfacher Sprache sowie in Fremdsprachen werden mehr gewünscht als Online-Informationen.

Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Im Kontext: 2. Deutsches Cochrane Symposium

Bewusst haben sich die Verantwortlichen im DNGK dazu entschieden, diesen Online-Workshop unmittelbar an das 2. Deutsche Cochrane Symposium anzuschließen, das sich ebenfalls mit dem Thema Gesundheitskompetenz beschäftigte. Das DNGK war auf dieser Veranstaltung durch die Vorstandsmitglieder Corinna Schaefer und Marie-Luise Dierks mit folgenden Präsentationen vertreten.

  • Marie-Luise Dierks: Gesundheitskompetenz und Informationsbedürfnisse der Bevölkerung –nicht nur in Pandemiezeiten; Präsentation (pdf)
  • Corinna Schaefer: Gesundheitskompetenz fördern – eine gemeinsame Aufgabe ; Präsentation (pdf)

Einen Bericht über das Cochrane Symposium von Iris Hinneburg, DNGK-Mitglied, finden Sie hier.

Die Förderung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung ist gerade in Zeiten von Corona wichtig und allen Vertretern der evidenzbasierten Medizin ein Anliegen.

Weitere DNGK-Aktivitäten zu COVID-19


Autor: DNGK-Redaktionsteam
Letzte Überarbeitung: 28.05.2021

Ein Jahr DNGK

Ein Jahr im Dienst der Gesundheitskompetenz

Das Deutsche Netzwerk Gesundheitskompetenz feiert Geburtstag und legt den ersten Tätigkeitsbericht vor.

Köln, 23. Januar 2020

Vor genau einem Jahr, am 23. Januar 2019, fand die Gründungsversammlung des Deutschen Netzwerks Gesundheitskompetenz e.V. (DNGK) im Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie des Uniklinikums Köln statt. Zum ersten Jahrestag legt das DNGK nun seinen ersten Tätigkeitsbericht vor.

Gegründet wurde es von einem Kreis aus Wissenschaftlern und anderen in der Gesundheitsversorgung und -bildung Tätigen, denen die Förderung der Gesundheitskompetenz über alle Berufs- und Fächergrenzen hinweg ein wichtiges Anliegen ist. Das Netzwerk unterstützt den interprofessionellen Austausch und die wissenschaftliche Befassung mit dem Thema Gesundheitskompetenz. Es zählt inzwischen nahezu 70 Mitglieder, die den Verein in gemeinsamen Workshops aktiv mit gestalten und an Publikationen mitwirken.

Der Verein hat einiges unternommen, um seine Strukturen transparent zu gestalten: Seine Regeln zum Interessenkonfliktmanagement folgen den strengen Vorgaben der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Alle Vorstandsmitglieder haben Interessenerklärungen abgegeben und auf der DNGK-Webseite publiziert. Zudem wurde festgelegt, dass bestimmte Ämter und Aufgaben in der Gesundheitsversorgung und der Industrie mit einem Vorstandsamt unvereinbar sind.

Auch inhaltlich war das Netzwerk in den vergangenen 12 Monaten aktiv: Mehrere Fachbereiche wurden gegründet. Der Fachbereich “Organisationale Gesundheitskompetenz” hat sich auf dem ersten Kölner Workshop im September 2019 vorgestellt und seine Arbeit mit den Mitgliedern diskutiert. Daraus hervorgegangen ist das erste Positionspapier des DNGK. Dieses ist nicht nur auf unserer Internetseite veröffentlicht, sondern auch in der Deutschen Nationalbibliothek. Der neue Fachbereich “Medien” präsentiert sein Arbeitsprogramm auf dem 2. Kölner Workshop am 28. Februar 2020.

Mehr Informationen:

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