Webseminar Digitale Gesundheitsanwendungen und Gesundheitskompetenz

DNGK-WebSeminar

Digitale Gesundheitsanwendungen und Gesundheitskompetenz

14. Juni 2021

Medizinische Apps und andere digitale Angebote gewinnen in der medizinischen Versorgung und der Prävention immer stärker an Bedeutung. Deshalb nahm das DNGK-Webseminar am 14. Juni 2021 die digitalen Helfer und ihre Bedeutung für die Gesundheitskompetenz genauer unter die Lupe:

    • Wie beeinflusst die digitale Transformation unser Leben und unser Verständnis von Gesundheit?
    • Wie hilfreich sind medizinische Apps wirklich und wie kann man das feststellen?
    • Wie können Menschen kompetente Entscheidungen treffen, wenn es um digitale Anwendungen geht?
    • Worauf sollten Ärztinnen und Ärzte achten, wenn sie Apps verschreiben oder im Praxisalltag einsetzen?

Referentinnen

Präsentationen

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Autor: DNGK-Redaktionsteam
Letzte Überarbeitung: 22.06.2021

Webseminar Impfkommunikation Februar 2021

DNGK-WebSeminar

COVID-19—Impfung: Wie kommunizieren?

15. Februar 2021

Am 15. Februar 2021 fand von 16:00 – 17:30 Uhr das zweite Webseminar des DNGK statt: Thema „COVID-19—Impfung: Wie kommunizieren?“.

Die Veranstaltung richtete sich an Angehörige medizinischer Berufsgruppen, Gesundheitswissenschaftler*innen, politische Entscheidungsträger*innen und in Medien- und Kommunikationsbereichen Tätige.

Zielsetzung

Die Impfungen gegen COVID-19 haben begonnen. Die Entscheidung der Bevölkerung für oder gegen eine Impfung hängt stark von der Gesundheitskompetenz des Einzelnen ab. Die Art und Weise, in der wir Nutzen und Risiken der Corona Impfung kommunizieren, ist ausschlaggebend dafür, dass Bürgerinnen und Bürger für sich selbst eine auch im Sinne des Schutzes der Bevölkerung verantwortliche Entscheidung fällen können. Der Workshop ging der Frage nach, welche Elemente eine verlässliche Impfkommunikation ausmachen und welche Formate hilfreich sind.

Impulsreferate

Gemeinsam mit Vertreter*innen folgender Berufsgruppen wurden diese Frage diskutiert:

Seminarbericht von Sylvia Sänger und Christian Weymayr

Knapp 60 Teilnehmer*innen erlebten eine dichte und spannende Veranstaltung mit fünf Referent*nnen, die das Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten.

Den Anfang machte der Hausarzt Dr. Wolfgang Blank, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin in Kirchberg im Wald. Seine Botschaft „Am besten ist es, wenn man auf die Frage: „Herr Dr., sind Sie geimpft?“ mit Ja antworten kann!“ Blank geht mit den zwei Gruppen von Patient*innen, die Impfwilligen und die Impfunwilligen, unterschiedlich um. Die Impfwillige haben, so Blank, einen weitaus geringeren Infobedarf als gemeinhin angenommen. Sie haben höchstens Sorge wegen der kurzen Entwicklungszeit des Impfstoffes und wegen möglicher Langzeitfolgen des Impfens. Auch den Impfgegnern begegnet er mit Wertschätzung. Er bietet ihnen Informationen an, fragt nach ihrer Beunruhigung, und baut keinen sozialen Druck auf. Wer nicht will, den darf man nicht drängen, so Blank. Der Arzt solle sich immer fragen: Wo und wie kann ich meine Patienten stärken?

Dr. Svenja Ludwig, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Niederkassel, hat andere Erfahrungen als Blank gemacht. Sie sieht ein sehr großes Informationsbedürfnis ihrer Patient*innen. Es kämen viele Fragen zu den Tests, etwa: Welche sind geeignet, wie lange ist das Ergebnis gültig, wer muss wann in Quarantäne, sind die Testergebnisse verlässlich? Sie stößt dann an ihre Grenzen, wenn sie beispielsweise zu Komorbiditäten sowie Interaktionen von Medikamenten und Impfung beraten soll. Gängige Fragen zu den Impfstoffen drehen sich um deren Wirkung, die Unterschiede und die Wahl der Impfstoffe, die Wechselwirkungen mit der Grippeschutzimpfung, um die Impfzentren, und natürlich zu den Nebenwirkungen und Komplikationen der Impfung. Ludwigs Fazit: Sie muss häufig Gerüchte entkräften, und hat einen hohen Aufwand mit Nachlernen und Vorlernen. „Ich arbeite jeden Abend die mediale Landschaft ab, um am nächsten Tag auf alle Fragen antworten zu können.“

Die Sicht eines Beratungsprofis deckte Dr. Johannes Schenkel ab. Er ist Ärztlicher Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland UPD. Eine seiner Beobachtungen: „Die Anfragen bei der ersten und zweiten Welle waren und sind unterschiedlich.“ Im Jahr 2020 drehten sich über 52.000 von 173.000 Anfragen um die Corona Pandemie, das ist ein Drittel des gesamten Beratungsaufkommens. In der ersten Welle wurde mehrheitlich nach Symptomen der Erkrankung gefragt. Jetzt in der zweiten Welle macht Schenkel vier Hauptberatungsthemen zur COVID-Impfung aus:

    • Probleme bei der Impfterminvergabe
    • Der Wunsch, früher geimpft zu werden
    • Impfeignung trotz Komorbiditäten
    • Details zur Impfung selbst.

Auch die Sicht der Medien war im Webseminar vertreten. Eine der einflussreichsten Publikumsmedien zum Thema Gesundheit ist die Apotheken Umschau. Ihr Chefredakteur Dr. Dennis Ballwieser: „Seit die Politik intensiver über Impfstoffe redet, gibt es detailliertere Fragen“. Die Apotheken Umschau-Gruppe, bestehend aus den gedruckten Heften, dem Online-Auftritt sowie diversen sozialen Kanälen, befasst sich seit etwa drei Monaten mit dem Thema COVID-Impfung, allerdings auf ganz unterschiedliche Weise: Während Impfen vor Corona vor allem ein Thema für „Baby und Familie“ war, hat sich der Fokus unter Corona ganz hin zur „Apotheken Umschau“ verschoben. Dort wird allerdings das gedruckte Magazin so gut wie nicht bespielt, da der lange Produktionsvorlauf die nötige Aktualität unmöglich macht. Dafür berichten die digitalen Kanäle umso mehr. So bietet die Apotheken Umschau neben den Online-Beiträgen auf apotheken-umschau.de einen täglichen Videoblock sowie zweimal pro Woche einen Podcast. Eine interessante Beobachtung Ballwiesers: Bei jüngeren Nutzer*innen sind deutlich mehr Basisinformationen gefragt, zum Beispiel: Was unterscheidet Impfungen von Medikamenten, wie wirken Impfungen im Körper? Um all die Informationsbedürfnisse aktuell und fundiert zu befriedigen, ist viel Quellenarbeit nötig. Ballwieser: „Wir recherchieren uns einen Wolf“.

Den Part der Wissenschaft übernahm Dr. phil. Philipp Schmid, Psychologe an der Professur für Sozial-, Wirtschafts- und Organisationspsychologie, Universität Erfurt. Sein Appell für den Umgang mit queren Denkern: „Falsch Informierte sind schwer zu überzeugen. Korrigieren Sie trotzdem so oft und so gut, wie sie nur können.“ Die ärztliche Kommunikation mit Impfgegnern ist eine besondere Herausforderung. Denn es besteht die Gefahr, dass man beim Versuch, einen Mythos oder den Glauben an Falschinformation zu widerlegen, selbige nur noch verstärkt. Es braucht dafür eine besondere Form der Gesprächsstruktur, damit statt der Fakenews die Fakten hängen bleiben. Hier hilft es beispielsweise, die Sandwich-Regel zu beherzigen: Ob und unten die Fakten und dazwischen die Fakenews. Wie schon Allgemeinmediziner Blank sieht auch Schmid die Wertschätzung des Gegenübers als sehr wichtig an. Man sollte Patient*innen mit ihren Ängsten ernst nehmen, anstatt sie mit Fakten zu überrennen. Es hilft, sich in die Welt des Gegenübers zu begeben und dessen Weltsicht zu würdigen, ehe die korrekten Fakten bemüht werden.

Weitere Infos

Hausärzte vertrauen dem RKI – Ergebnisse der DNGK-Umfrage “Impfkommunikation COVID-19”

In Vorbereitung des Seminars wurde eine Online-Umfrage zur Impfkommunikation durch die Ärzteschaft durchgeführt, an der sich 1.135 Ärztinnen und Ärzte beteiligten, überwiegend aus dem Fach Allgemeinmedizin und mit eigener Praxis.

Aus den Umfrage-Ergebnissen lassen sich folgende Kernaussagen ableiten:

    1. Gut vorbereitet: Zwei Drittel der Ärztinnen und Ärzte fühlen sich für das Patienten-Gespräch gut vorbereitet, nur wenige sehr schlecht.
    2. Robert Koch Institut (RKI) spielt zentrale Rolle: Das RKI ist mit Abstand die wichtigste Quelle für Ärztinnen und Ärzte – und zwar sowohl für sie selbst, als auch für ihre Patienten-Gespräche. Dabei werden eher andere Einrichtungen in der Verantwortung gesehen, für Aufklärung zu sorgen: das Bundesgesundheitsministerium, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Kassenärztlichen Vereinigungen.
    3. Papier toppt Online: Die Informationen für ihre Patientinnen und Patienten sollten vor allem in Papierform sein. Niemanden außen vor zu lassen, ist Ärztinnen und Ärzte dabei offenbar ein wichtiges Anliegen: Auch Angebote in einfacher Sprache sowie in Fremdsprachen werden mehr gewünscht als Online-Informationen.

Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Im Kontext: 2. Deutsches Cochrane Symposium

Bewusst haben sich die Verantwortlichen im DNGK dazu entschieden, diesen Online-Workshop unmittelbar an das 2. Deutsche Cochrane Symposium anzuschließen, das sich ebenfalls mit dem Thema Gesundheitskompetenz beschäftigte. Das DNGK war auf dieser Veranstaltung durch die Vorstandsmitglieder Corinna Schaefer und Marie-Luise Dierks mit folgenden Präsentationen vertreten.

  • Marie-Luise Dierks: Gesundheitskompetenz und Informationsbedürfnisse der Bevölkerung –nicht nur in Pandemiezeiten; Präsentation (pdf)
  • Corinna Schaefer: Gesundheitskompetenz fördern – eine gemeinsame Aufgabe ; Präsentation (pdf)

Einen Bericht über das Cochrane Symposium von Iris Hinneburg, DNGK-Mitglied, finden Sie hier.

Die Förderung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung ist gerade in Zeiten von Corona wichtig und allen Vertretern der evidenzbasierten Medizin ein Anliegen.

Weitere DNGK-Aktivitäten zu COVID-19


Autor: DNGK-Redaktionsteam
Letzte Überarbeitung: 28.05.2021

Therapeutische Berufe und Gesundheitskompetenz, Webseminar

DNGK-WebSeminar

Therapeutische Berufe und Gesundheitskompetenz

10. Mai 2021

Welche Strukturen sind zur Stärkung der Gesundheitskompetenz nötig? Welche Rolle spielen dabei die Gesundheitsberufe?

Mit diesem Thema  beschäftigte sich das 4. Webseminar des DNGK “Therapeutische Berufe und Gesundheitskompetenz” am 10. Mai 2021.

Das Webseminar richtete sich primär an Personen und Institutionen, die sich mit der Förderung der Gesundheitskompetenz durch Therapeutische Berufe befassen möchten.

Projekte und Praxiserfahrungen

Expertinnen aus Ergotherapie, Ernährungstherapie, Logopädie und Physiotherapie präsentierten Projekte und Praxiserfahrungen zu dieser Thematik. Im Mittelpunkt stand die Diskussion zu den Fragen:

  • Welche spezifischen Kompetenzen von Therapeutinnen und Therapeuten fördern die Gesundheitskompetenz der Patienten- bzw. Klientenschaft?
  • Welche Bedeutung haben Ausbildung, Wissenschaft und Zugang zu Informationen über Gesundheitskompetenz für die Therapeutischen Berufe?
  • Wie muss sich das Gesundheitssystem weiterentwickeln und welche Kooperationsformen sind nötig, um die Förderung der Gesundheitskompetenz im therapeutischen Alltag zur Routine zu machen?
  • Wie kann das Potenzial der Therapeutischen Berufe im Bereich Gesundheitskompetenz gefördert werden – zum Beispiel mit Unterstützung des DNGK?

Referentinnen

Kommentar

Einen Leuchtturm bauen

Das DNGK-Webseminar “Therapeutische Berufe und Gesundheitskompetenz” scheint einen Nerv getroffen zu haben: Die Erleichterung und Freude darüber, sich austauschen und vernetzen zu können, war von der ersten bis zur letzten Minute präsent. Die Gründung eines eigenen Fachbereichs oder einer Arbeitsgruppe innerhalb des DNGK ist die logische Konsequenz.

Ich nehme als Botschaft aus der Veranstaltung mit: Die therapeutischen Berufe haben das Wissen und die Erfahrung, die Gesundheitskompetenz ihrer Klientinnen und Klienten zu fördern. Sie sind nahe an ihnen dran, sie können sich die Zeit nehmen, und sie sind bereit dazu – aber man muss ihre Arbeit wertschätzen und auch finanziell honorieren, sie in die Versorgung einbinden und ihnen mehr Freiräume für Entscheidungen geben.

In ihren Kurzvorträgen setzten die Referentinnen zudem eigene Akzente.

  • Für die Physiotherapie machte Corinna Wirner deutlich, wie sehr die Ausbildung den Anforderungen im Berufsalltag hinterherhinkt. So werde der Begriff “Gesundheitskompetenz” nur in 1 von 27 ausbildungsrelevanten Curricula explizit erwähnt. Hier sollte sich dringend etwas tun.
  • Die Ergotherapie sorgt sich explizit um das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Lebensqualität ihrer Klientel, wie Eva Denysiuk betonte. Dazu gehört zum Beispiel, gemeinsam im Internet die Vertrauenswürdigkeit von Informationsangeboten zu besprechen. “Es geht oft um das Managen des eigenen Gesundheitszustandes,” sagte Denysiuk. Leider sei die Qualität der Ausbildung sehr heterogen.
  • Die Logopädie sei besonders nah an Menschen mit besonders schwach ausgeprägter Gesundheitskompetenz, sagte Lucie Hilscher. Die mit Abstand häufigste Diagnose ihrer Klientel sei eine Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache, also von Fähigkeiten, die gerade für den Erwerb von Gesundheitskompetenz essentiell sind.
  • Ein zentrales Problem der Ernährungstherapie sei der fehlende Schutz der Berufsbezeichnung, beklagte Andrea Lambeck: “Sie können sich morgen ein Schild an die Tür hängen, auf dem Ernährungsberatung steht”. So gebe es in der Branche die kuriosesten Angebote – je verrückter, desto erfolgreicher, wie es scheint. Dabei könne die Ernährungstherapie, sinnvoll angewandt, bereits präventiv wirksam sein. Als Orientierungshilfe bietet deshalb ihr Verband unter www.vdoe.de ab dem 1. Juni 2021 eine Expertensuche an.

Therapeutische Berufe sollten, so lässt sich als Fazit der Veranstaltung eine Bemerkung Lucie Hilschers festhalten, ein Leuchtturm in der Vermittlung von Gesundheitskompetenz sein. Das DNGK hilft gerne mit, den Turm zu bauen.

Christian Weymayr, 2. stellvertretender Vorsitzender des DNGK

 

Literatur zum Thema in der E-Bibliothek: https://ww1.dngk.de/gesundheitsberufe-literatur/


Autor: DNGK-Redaktionsteam
Letzte Überarbeitung: 18.05.2021

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